Was wurde aus der Idee, der diskriminierungssensitiven Fahrschule, Maria?

Viele von euch haben gefragt: Gibt es sie nun, die diskriminierungssensitive Fahrschule? Die Idee hat damals im ersten Business, Baby! Durchgang viel Zuspruch erhalten.
Ehrliche Antwort ist: Nein. Aber Marias Geschichte ist deshalb nicht weniger spannend, eigentlich ist sie erst richtig interessant geworden. Lest selbst!
Liebe Maria, die große Frage zuerst: Was ist aus der diskriminierungssensitiven Fahrschule geworden und wie fühlst du dich heute dabei?
Aus der Fahrschule ist nichts geworden. Die Gründung hätte für mich eine 180Grad Drehung bedeutet und ich war nicht bereit für so starken Wandel. Ich habe einen tollen Job mit wunderbaren Kolleginnen, den ich hätte an den Nagel hängen müssen. Das war ich nicht bereit, zu opfern. Darüber hinaus wäre die Gründung ein Weg von mehreren Jahren gewesen, da ich aber nicht sicher bin, ob ich so lange noch in Dresden bleiben möchte, hatte ich auch in dieser Hinsicht Bammel.
Wann und warum hast du gemerkt, dass sich dein Weg verändert?
Eigentlich schon während der Trainings im Business Baby Programm, aber spätestens während des Mentorings. Da ging es ans Eingemachte: facts wurden zusammen gesammelt und mir wurde immer klarer, welches Ausmaß meine Idee hat. Ich merkte, wie ich mit Verlustängsten zur Arbeit ging und wie sehr mir alles, was ich aufgebaut hatte, am Herzen lag. Ich konnte und wollte das nicht loslassen.
Wie war das innerlich eine Idee loszulassen, für die du so viel Zuspruch bekommen hast?
ehrlich gesagt - es war erleichternd … ich brauchte eine ziemlich lange Weile, es mir einzugestehen. Da, die Idee, wie du schon sagtest, so viel Zuspruch bekam, traute ich mich nicht, zuzugeben, dass mir das Ganze über den Kopf gewachsen war. Und vom dem Gründungsspirit angesteckt, in dem die Ganze Gruppe war, wollte ich nicht den Gedanken nicht zulassen, dass ich mit meinem Job eigentlich ganz zufrieden war.
Was hast du stattdessen gemacht – wo stehst du heute beruflich?
Statt eine Fahrschule zu gründen, bin ich geblieben, wo ich war. Projektkoordinatorin im aha e.V. einer Dresdner NGO in der ich Bildungsprojekte organisiere. Habe dort meinen „schöpferischen Energien“ freien Lauf gelassen und einige innovative und erfolgreiche Projekte gestartet. Gleichzeitig ist wie von selbst ein anderes Business entstanden, dass sich mit meinem festen Job vereinbaren lässt: ich berate und begleite als Institutionen auf ihrem Weg kritisch und bewusst mit Rassismus umzugehen; sprich, ich gebe rassismuskritische Sensibilisierungsworkshops.
Was hat dir Business, Baby! für diesen Prozess mitgegeben, auch wenn das Ergebnis anders aussieht als geplant?
ich habe mega viel gelernt: alles voran, Zielgruppenanalyse und Marketingstrategien. Davon profitiert jetzt mein Verein und das war die wichtigste Erkenntnis: es wäre total wichtig und hilfreich, wenn zivilgesellschaftliche Institutionen sich mit Unternehmen zusammentun würden, um von einander zu lernen. Mein kleiner Ausflug in die Welt des Business war für mich mindblowing und ich bin sicher, seitdem hat sich meine Arbeit im Verein in vielerlei Hinsicht verbessert.
Was weißt du heute über dich als Unternehmerin oder als Mensch, das du damals noch nicht wusstest?
Dass es ok ist, auf die innere Stimme zu hören und das auch gegenüber anderen zu vertreten. Ich bin nicht nur durchs Training, aber durchaus in dieser Zeit erwachsen(er) geworden und habe gelernt, dass ich offen und ehrlich hinter meinen Entscheidungen stehen darf, egal, ob sie anderen gefallen oder nicht. Außerdem habe ich gelernt, wie gut es tut, von wertschätzenden Frauen umgeben zu sein. Ich habe aus dieser Zeit so viel Energie und Inspiration mitgenommen, davon zehre ich heute noch.
Das Thema diskriminierungssensibles Fahren lernen hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Lebt die Idee irgendwie weiter – in dir oder anderswo?
ja, definitiv! Ich habe wie gesagt Workshopangebote erschaffen die bitter nötig sind - ich würde gern sagen, dass sie einen Nerv treffen, doch das würde verschleiern, dass die Prozesse die in diesen Workshops stattfinden für die Teilnehmenden nicht immer einfach sind. Sie werden mit Missständen konfrontiert von denen sie bis dahin keine Ahnung hatten…das kann auch wehtun. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass die meisten Leute dankbar und mit großer Motivation, Strukturen im privaten und professionellen Bereich ändern zu wollen.
Was würdest du Frauen mitgeben, deren Business-Idee sich im Prozess grundlegend verändert – oder die merken, dass ihr ursprünglicher Plan nicht aufgeht?
hmmm, gar nicht so einfach, weil zwischen sich durchbeißen, wenn es mal schwierig ist und sich anpassen, wenn es nötig ist, ist oftmals ein schmaler Grat. Und manchmal versteht man einfach nicht die Sprache der eigenen Intuition. Dann trifft man vielleicht nicht gleich die „richtige“ Entscheidung (wenn es die überhaupt gibt) und geht man halt mal ein paar Schritte Umweg, aber Bewegung tut ja bekanntlich gut. Vielleicht findet man auf diesem Umweg ja einen Schatz…Lernen wird man auf jeden Fall etwas.
Wenn ihr Zweifel habt, seid offen damit, Gewicht darf und sollte auf mehrere Schultern verteilt werden. Wenn ihr über Zweifel oder Probleme sprecht bekommt ihr ja auch andere Perspektiven, wie man diese lösen oder mit ihnen umgehen kann.
Ganz lieben Dank, Maria, für den Einblick!
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