Wie Maria mit Biografiearbeit Fachkräfte stärkt – und Kindern ein gewaltfreies Aufwachsen ermöglicht

Maria Mattukat
Wie war dein beruflicher Weg bis hierhin?
Meine “berufliche Laufbahn” habe ich vor zwölf Jahren als Erzieherin begonnen. Erst habe ich im Hort und dann in der Krippe gearbeitet. Nach wenigen Jahren habe ich die Abwesenheitsvertretung der Kita-Leitung übernommen. Kurz darauf folgte eines Gesetzesänderung, die verlangte, dass jede Kita eine ständige Stellvertretung haben muss. Voraussetzung war jedoch, dass auch diese Person ein anerkanntes Studium nachweisen muss. Ich wusste damals bereits, dass ich nicht mein Leben lang als Erzieherin arbeiten möchte und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit einem Studium größer sind.
Für mich ergab sich durch die Gesetzesänderung nun glücklicherweise die Möglichkeit, Sozialpädagogik zu studieren, denn mein Arbeitgeber hat dieses unterstützt. Mit Beginn des Studiums bin ich also in die Rolle der ständigen Stellvertretung gewechselt. Fortan gehörten primär Bürotätigkeiten zu meinem Aufgabenfeld. Gleichzeitig hatte ich zum Teil auch Gruppenstunden oder habe bei Personalmangel dort unterstützt wo es nötig war. Ich habe in verschiedenen Kitas und bei verschiedenen Trägern arbeiten dürfen und dabei unterschiedliche Konzepte und Arbeitsweisen kennengelernt. Gleichzeitig habe ich mich in der Position der Stellvertretung wohl gefühlt, da ich hier eine gute Mischung aus Theorie und Praxis hatte.
Was ist deine Geschäftsidee?
Ich biete Teamfortbildungen in Kitas und Horten an. Ergänzt wird dieses Angebot durch Online-Seminare. Darüber hinaus bin ich an verschiedenen Standorten der Volkshochschule sowie an der CRESCO Akademie als Dozentin tätig. Es hat mir bereits als Kita-Leitung total Spaß gemacht, Teamtage zu organisieren und dort gemeinsam fachlich mit den Kolleg*innen zu arbeiten, um den pädagogischen Ansatz und das kindzentrierte Arbeiten voranzubringen.
In meinen Fortbildungen und Seminaren liegt mein Hauptschwerpunkt auf biografischer Selbstreflexion und Biografiearbeit. Hier geht es im Kern darum, eigene Erziehungserfahrungen zu reflektieren, um die negativen Anteile nicht unreflektiert an Kinder weiterzugeben. Ich möchte in meinen Kursen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass innere Anteile aus unserer Vergangenheit in jeder Handlung zwischen Menschen mitschwingen. Insbesondere bei Kindern ist es für den Aufbau einer guten Beziehung, die gleichzeitig die Grundlage für eine gesunde Entwicklung ist, wichtig, diese Anteile zu kennen und der eigentlichen Situation angemessen zu reagieren. Das ist unter den herausfordernden Bedingungen unter denen Erzieher*innen arbeiten oft schwierig. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie kann daneben auch unterstützen, Ressourcen sichtbar zu machen, die pädgogische Fachkräfte helfen, mit Stress umzugehen.
Weitere Themen die ich anbiete sind die bedürfnisorientierte Pädagogik und das Konfliktmanagement - bezogen auf einen kollegialen Umgang im Team sowie mit herausfordernden Verhaltensweisen bei Kindern. Diese drei Themen ergänzen sich und unterstützen meine Vision:
Kindern ein gewaltfreies Aufwachsen zu ermöglichen.
Wie bist du auf die Idee gekommen?
Ich habe während meiner Tätigkeit als Kita-Leitung sehr oft gemerkt, dass viele Pädagog*innen bei der Kinderbetreuung an ihr Limit gehen. Sie verausgaben sich “zum Wohle der Kinder”, stecken zurück und das endet oft in psychischen Erkrankungen und/oder im Langzeitkrank. “Zum Wohle der Kinder” deshalb in Anführungszeichen, weil das natürlich auch nicht gut für die Kinder ist. Sie lernen, eigene Bedürfnisse zu übergehen und sich an die Bedürfnisse der Erzieherin anzupassen - dabei sind es die Bedürfnisse der Kinder, die in erster Linie im Vordergrund stehen sollten.
In meinem Studium bin ich dann auf das Thema Biografiearbeit gestoßen. Und mir erschien der Ansatz besonders wertvoll, weil sie hilft, das eigene Verhalten im Umgang mit sich selbst und auch mit Kindern bewusster zu gestalten. Sie ist also sowohl Prävention als auch ein Weg, die eigene Biografie zu verstehen, um gesunde Grenzen zu setzen und somit langfristig die Beziehung zu den Kindern und die eigene Belastbarkeit zu stärken.
Seitdem hat mich das Thema begleitet und ich habe viele Fortbildungen besucht, um ein tieferes Verständnis dafür zu bekommen und Biografiearbeit praktisch in meinen pädagogischen Alltag einzubringen.
Was war der ausschlaggebende Impuls für deine Selbstständigkeit?
Ich habe schon immer gemerkt, dass ich mich durch die ganzen Rahmenbedingungen in meinem vorherigen Job sehr eingeengt gefühlt habe. Ich wollte einfach mehr “mein Ding” machen. Irgendwann war der Leidensdruck dann so groß, dass ich mich entschieden habe, dass es eine Veränderung braucht. Damals bin ich drei Wochen allein im Urlaub in Thailand gewesen und habe auf der Reise viele Menschen getroffen, die sich ähnlich wie ich gefühlt haben oder den Schritt in die Selbständigkeit bereits gewagt hatten. Das hat mich unheimlich motiviert und gleich nach dem Urlaub habe ich mir eine Coachin gesucht. In der Zusammenarbeit mit ihr ist dann die Idee gewachsen, Fortbildungen mit dem Themenschwerpunkt Biografiearbeit anzubieten.
Dein Sohn ist ja bereits erwachsen. Welche Rolle spielt deine Mutterschaft für deine Gründung?
Ja, mein Sohn ist bereits erwachsen. Ihm habe ich es überhaupt zu verdanken, dass ich an Business, Baby! teilnehmen darf, denn er hat mich auf das Programm aufmerksam gemacht und darauf gedrängt, ich solle mich bewerben.
Für mich ist Muttersein in der Hinsicht eine absolute Bereicherung, denn ohne meinen Sohn, hätte ich den Schritt in die Selbständigkeit vermutlich (noch) nicht gewagt. Er steht voll und ganz hinter der Idee und motiviert mich, dran zu bleiben. Aktuell arbeitet er im Sales und hat hin und wieder ein paar nützliche Tipps für mich. Er ist auf jeden Fall meine Kraftquelle!
Welche Vorteile hat es für dich, bei Business, Baby! dabei zu sein?
Mit vielen Impulsen, die wir bekommen, habe ich mich bereits in meiner Gründungsphase auseinandergesetzt. Sie helfen mir jetzt, ein Jahr später, sehr gut in der Reflexion - wo passt es schon, wo braucht es eine Anpassung oder wovon sollte ich mich vielleicht auch verabschieden?
Durch den Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen schwinden auch meine Selbstzweifel zunehmend, denn sie bekräftigen mich in der Notwendigkeit meines Themas. Viele von Ihnen haben Unterstützung angeboten, indem sie mein Angebot in die Kitas ihrer Kinder weitertragen. Und das ist es, was ich allgemein spüre und auch gern zurückgebe - die gegenseitige Unterstützung, die so kraftvoll sein kann. Wir haben die Möglichkeit, Angebote und Produkte untereinander zu testen und dazu Feedback zu erhalten. Wir profitieren von dem unterschiedlichen Wissensstand bzgl. der Selbständigkeit. Gleichzeitig auch von unseren Themen, auf denen wir die Expertinnen sind.
Für mich hat sich sogar eine Kooperation mit einer ehemaligen Teilnehmerin ergeben.
Pauline von Enilu Coaching hat uns in einer Peering-Session Input zum Thema Mental Load gegeben. Aus meiner Sicht ein Thema, dass vor allem auch für Erzieher*innen relevant ist. Diese haben zum einen ein sehr herausforderndes Arbeitsumfeld, in dem sie mit einer Fülle von Erwartungen und Aufgaben konfrontiert sind. Und wenn sie nach der Kita nach Hause kommen, kümmern sie sich meist um ihre eigenen Kinder bzw. ihre Familie. Um hier eine Balance herzustellen und Fachkrfäfte zu entlasten, haben Pauline und ich uns zusammengetan und bieten ab nächstes Jahr Online-Seminare und Teamfortbildungen an. Die Biografiearbeit bietet dabei den Einstieg durch Reflexion und leitet über in Paulines Thema Mental Load.
Im Mentoring kann ich individuelle Themen mit meiner Mentorin besprechen. Das ist eine wertvolle Ergänzung, denn hier ist Platz für meine ganz persönliche Weiterentwicklung. Ich nutze es, in dem ich Herausforderungen bespreche die mir gerade begegnen. Oft hilft ein kleiner Perspektivwechsel schon weiter. Außerdem profitiere ich von ihrem Wissen in Bezug auf ihre Selbständigkeit und dem Erfahrungsaustausch.
Business, Baby! neigt sich dem Ende zu für dich in Jahrgang 3. Was wünschst du dir, was bleiben soll?
Ich wünsche mir, dass ich ein buntes Netzwerk aus Frauen aufbauen kann, mit denen ich auch über das Programm hinaus in Kontakt bleibe und wir uns gegenseitig weiter supporten. Dass ich auch nach dem Programm immer jemanden habe, mit dem ich mich austauschen kann – egal, ob es gerade mal nicht so läuft oder ob es Erfolge zu feiern gibt. Für mein Business hoffe ich, Wege gefunden zu haben, um meine Kund*innen gezielter anzusprechen und dadurch mehr Aufträge zu generieren, sodass sich mein Business in absehbarer Zeit trägt und wächst.
Liebe Maria, das wünschen wir dir auch!
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